Lieferantenentwicklung

Lieferantenentwicklung
Lieferantenentwicklung

Die aktive Lieferantenentwicklung ist ein Instrument, um den Lieferanten in seiner Leistungsfähigkeit zu steigern. Der Aufbau eines effektiven Lieferantenentwicklungsprogrammes ist notwendig für eine wettbewerbsfähige und kompetente Lieferantenbasis. Das Unternehmen hat somit die Aufgabe kompetente Lieferanten auf Hinblick auf die Anforderungen zu finden und diese zu unterstützen, damit sie ihre Leistungsfähigkeit erhöhen.

Aus der Erfahrung heraus kann man jedoch sagen, dass eine aktive Lieferantenentwicklung erst dann abgeschlossen ist, wenn sie gemäss IATF 16949 zertifiziert ist. Warum Lieferantenentwicklung – “Weil viele Lieferanten zwar guten Willens, aber nicht immer in der Lage sind Potentiale zu erkennen und Prozesse zu optimieren.”

Lieferkette

Die fortwährende abnehmende Eigenfertigungstiefe der Automobilhersteller (OEM) zieht Veränderungen in der Lieferkette nach sich. Dies führt dazu, dass die Automobilzulieferer von der klassischen Lieferkette sich immer mehr vom Teilelieferanten zum Komponenten- oder Modullieferanten entwickeln.

Diese Herausforderung fordert Veränderungen in der Unternehmensstruktur und stellt viele Zulieferer vor grosse Probleme. Alleine die hohen Kulanz- und Gewährleistungskosten der Automobilhersteller werden auf die gesamte Lieferkette der Zulieferer heruntergebrochen.

Lieferantenauswahl

Die Lieferantenauswahl beginnt im Projektmanagement und beinhaltet wichtige Kriterien nach der sie die Auswahl potentieller Lieferanten eingrenzen. Das kann durch eine Potenzialanalyse erfolgen oder über einen Fragebogen (Checkliste). Die Potentialanalyse dient zur Erleichterung bei der Auswahl potentieller Lieferanten.

Mit der Potenzialanalyse werden neue Lieferanten, Technologien, Fertigungsprozesse, Standorte mittels Fragenkatalog bewertet. Der Prozess Lieferantenentwicklung gewinnt dadurch Ergebnisse die bei der Auswahl von Lieferanten wichtige Entscheidungshilfen darstellen.

Lieferantenbewertung

Die Lieferantenbewertung basiert auf Zahlen, Daten, Fakten und wird vierteljährlich bzw. halbjährlich durchgeführt.

Viele Unternehmen haben hierfür ein CAQ System das mit dem PPS System gekoppelt ist. Somit erhalten Sie auf Knopfdruck aktualisierte Daten über die Performance ihrer Lieferanten. Lieferanten mit einem schlechten Ranking (B, C-Lieferanten) müssen innerhalb einer festgesetzten Frist Maßnahmen ergreifen um wieder auf ein besseres Ranking in der Lieferantenbewertung zu kommen.

Die Maßnahmen sollten Vorort beim Lieferanten durch ein Prozessaudit auf Umsetzung und Wirksamkeit auditiert werden. Entscheidend für die Auditierung des Lieferanten, ist das Ausfall Risiko bzw. das Risiko von Lieferungen von Non-Konformen Teilen oder Baugruppen.

Lieferantenentwicklung

Eine gezielte Lieferantenentwicklung in der gesamten Lieferkette zu ermöglichen, muss in Unternehmen ein Lieferantenmanagement etabliert werden. Ein Konzept für die Lieferantenbewertung (vierteljährlich, halbjährlich) ist implementiert und das eine Methodik für die Erstbemusterung zum Beispiel VDA 2 zwischen Lieferanten und Unternehmen vereinbart wurde.

Die Erstbemusterung ist Bestandteil der Produkt- und Prozessfreigabe PPF. Grössere Unternehmen habe hierfür eine Datenbank zum Beispiel supplyon. Dort werden alle Informationen von der Erstbemusterung bis hin zu Reklamationen ausgewertet. Die aktive Lieferantenwicklung basiert also auf 3 Säulen: Lieferantenauswahl, Lieferantenbewertung, Lieferantenaudits.

Der Prozess Lieferantenentwicklung setzt voraus, dass hierfür genügend Ressourcen vorhanden sind. Die Qualifikation der Auditoren aufrechterhalten wird und das das Lieferantenmanagement über genügend finanzielle Mittel verfügt um eine aktive Lieferantenentwicklung durchführen zu können.

Gerade klein und mittelständische Unternehmen fehlt einerseits Know-how und andererseits die personellen Ressourcen um eine aktives Lieferantenmanagement zu implementieren. Die Verantwortung über die Lieferantenentwicklung liegt bei vielen Unternehmen im Bereich Einkauf. Von dort werden alle Aktivitäten gesteuert in Zusammenarbeit mit dem Qualitätsmanagement.

Die Zusammenarbeit zwischen Einkauf und Qualitätsmanagement stellt sich wie folgt dar: Die Abteilung Einkauf liefert die Fakten (Lieferantenbewertung) und das Qualitätsmanagement liefert die Prozessauditoren und die Abteilung Projektmanagement liefert die Standards bzw. die kundenspezifischen Forderungen.

Lieferantenmanagement

Kriterien Neu IATF 16949

Forderungen im Lieferantenmanagement werden im Gegensatz zur ISO/TS 16949 verschärft. Die IATF 16949 fordert im Abschnitt 8.4.1.2 einen dokumentierten Lieferantenauswahlprozess der folgendes beinhaltet:

  • Bewertung vorhandener Risiken hinsichtlich einer kontinuierlichen und fehlerfreien Belieferung der Kunden mit den Produkten der Organisation
  • Relevante Daten zu Qualitäts- und Lieferperformance
  • Bewertung des QM Systems des Lieferanten
  • Multidisziplinäre Entscheidungsfindung
  • Bewertung der Fähigkeiten hinsichtlich der Entwicklung von Software, sofern zutreffend
  • Weitere Kriterien die im Lieferantenauswahlprozess Berücksichtigung finden sollten:
  • Umsatzvolumen im Automobilbereich (absolut und im Verhältnis zum Gesamtumsatz)
  • finanzielle Stabilität
  • Komplexität der zu beschaffenden Produkte, Materialien oder Dienstleistungen
  • Erforderliche Technologien
  • Angemessenheit der verfügbaren Ressourcen (Mitarbeiter, Infrastruktur)
  • Entwicklungskompetenz
  • Fertigungskompetenz
  • Änderungsmanagement Prozess

Versorgungssicherheit

Insbesondere in der Automobilindustrie stellen die Hersteller hohe Anforderungen an die Versorgungssicherheit und das Risikomanagement. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Lieferanten deshalb ständig weiterentwickelt und qualifiziert werden.

Daher ging man mehr und mehr dazu über, Lieferantenprogramme schon vor dem Serienstart, d. h. in der Produkt- und Serienentwicklung einzusetzen. Diese Lieferantenprogramme, die also vor dem Serienstart ansetzen, dienen dazu, die Lieferanten bzw. Bauteile mit einer hohen Priorität systematisch bis zum Serienstart zu betreuen.

Prozessaudit

Sie wünschen sich Prozesse die robust gegen Störgrößen sind? Sie wollen die Qualität ihrer Produkte nachweislich beurteilen und sicherstellen? Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) hat Standards für die Durchführung von Prozessaudits entwickelt. Durch das Prozessaudit VDA lassen sich Risiken minimieren und Ergebnisse verbessern.

Der Anspruch, komplexe Prozessabläufe nachzuvollziehen und deren Funktionalität und Effektivität sicherzustellen, stellt hohe Anforderungen an die Auditoren und deren Qualifikation. Als zertifizierter Prozessauditor VDA 6.3 biete ich Unterstützung bei der Qualifizierung der internen als auch der externen Prozesse.

Lieferantenaudits

Die Lieferantenaudits werden mit einem Prozessaudit VDA 6.3 bzw. 6.7 durchgeführt. Das setzt voraus das in ihrem Unternehmen zertifizierte Prozessauditoren vorhanden sind. Beim VDA QMC werden Schulungen angeboten. Die Lieferantenaudits sollten auch im Auditprogramm aufgenommen werden.

Ausserdem benötigen Sie Kriterien welche Maßnahmen getroffen werden müssen wenn bei der Auditierung der Lieferant mit „B“ oder „C“ bewertet wurde. Dazu ist es hilfreich zwischen Lieferant und Unternehmen eine Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) abzuschliessen. Darin werden die Standards vereinbart.

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Stefan Stroessenreuther

Consulting Qualitätsmanagement ISO 9001 | IATF 16949 Personenzertifizierter IATF 16949 und VDA 6.3 Auditor | Dozent IMB IntegrationsModell Bayreuth