Matrixzertifizierungen oder Verbundzertifizierungen

Matrixzertifizierungen oder Verbundzertifizierungen sind mit einer amtlichen Mitteilung vom 10.05.2019 durch die DakkS in ihrer Eigenschaft als nationale Akkreditierungsbehörde unzulässig und warnt vor akkreditierungsrechtlich unzulässigen Geschäftsmodellen im Bereich der Zertifizierung von Managementsystemen. Was war der Grund für diese Mitteilung? Die DakkS (Deutsche Akkreditierungsstelle) hat vermehrt unzulässige Konstruktionen im Zusammenhang mit der Zertifizierung von Managementsystemen festgestellt. Dabei handelte es sich um Matrix- oder Verbundzertifizierungen, bei denen an Verbundmitglieder jeweils „Unterzertifikate“ erteilt wurden. Verbundzertifizierungen beziehen sich beispielsweise auf Arztpraxen, die sich in einem Verbund zusammengeschlossen haben. Dabei handelt es sich um Zertifikate einschlägiger Managementnormen z.B. ISO 9001:2015.

Matrix- Verbundzertifizierungen
Matrix- Verbundzertifizierungen

Matrixzertifizierungen bzw. Verbundzertifizierungen

Bei den Matrix- bzw. Verbundzertifizierungen handelt es sich um Unternehmen, die durch Beitritt in einem Verbund den Anspruch erhält, dass auch sein Unternehmen (als getrennte Organisation) als zertifiziert gilt und das Unternehmen dadurch ein entsprechendes Zertifikat erhält. Dabei wird jedes Unternehmen (Mitglied) im Verbund wie ein „Standort“ behandelt. Die DakkS hat hierzu klare Regeln aufgestellt und eine Verbundzertifizierung als unwirksam erklärt.

„Solche Unterzertifikate, in denen die Organisation und / oder die Geltungsbereiche zwischen Haupt- und Unterzertifikat abweichen, sind stets inhaltlich falsch und irreführend und verstoßen gegen die Norm ISO 9001 und ISO 9000, völlig unabhängig von der Freigabe der fehlerhaften Zertifizierung gemäß ISO/IEC 17021.“

(Quelle: amtliche Mitteilung der DakkS vom 10.05.2019)

Die Deutsche Akkreditierungsstelle untersagt damit, dass bei einem Zusammenschluss von rechtlich unabhängigen Unternehmen z.B., wenn sich Ärzte, Schornsteinfeger, Rechtsanwälte, Insolvenzverwalter oder andere Gewerbetreibende in einem Verbund zusammenschließen, eine unrechtmäßige Zertifizierung stattgefunden hat. Ferner weisst die DakkS daraufhin, dass durch Nutzer von Unterzertifikaten, die unzulässig durch akkreditierte Stellen vergeben wurden, regelmäßig gegen eine Verletzung der Markenrechte der Deutschen Akkreditierungsstelle verstoßen.

Erlaubte Matrixzertifizierungen

Nicht alle durchgeführten Matrixzertifizierungen sind unseriös. Erlaubte Matrixzertifizierungen sind beispielsweise bei Unternehmen, die mehrere Produktionsstandorte im In- und Ausland besitzen. Die Zentrale dieser Standorte liegt z.B. in Deutschland und die übrigen Produktionsstandorte sind weltweit verteilt. Hierzu gibt es genaue Regeln wie eine Matrixzertifizierung durchgeführt werden muss. Der Unterschied zu den o.g. Verbundzertifizierung ist, dass die Zentrale und die Produktionsstandorte rechtlich zusammengehören. D.h., Es existiert eine übergeordnete Geschäftsleitung, CEO oder andere rechtliche übergeordnete Funktion.

Erlaubte Verbundzertifizierungen

Die DakkS ist eine nationale deutsche Akkreditierungsstelle und untersagt in Deutschland Verbundzertifizierungen. Anders sieht es in anderen Ländern und deren nationalen Akkreditierungsstellen aus. Beispielsweise erlaubt Tschechien eine Matrixzertifizierung mit der in Deutschland unzulässigen Konstellation. Solche nationalen Akkreditierungsstellen haben unteranderem auch Vertretungen in anderen Ländern wie beispielsweise in Deutschland. Die CIA (Czech Accreditation Institute) in Tschechien ist auch Mitglied der International Accreditation Forum (IAF) und somit sind ausgestellte Zertifikate, beispielsweise für das Qualitätsmanagementsystem ISO 9001 weltweit gültig.

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Stefan Stroessenreuther

Consulting Qualitätsmanagement ISO 9001 | IATF 16949 Personenzertifizierter IATF 16949 und VDA 6.3 Auditor | Dozent IMB IntegrationsModell Bayreuth | Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität