Zertifizierung IATF 16949

Zertifizierung IATF 16949
Zertifizierung IATF 16949

Ab Mitte Dezember 2016 startet die IATF das Qualifizierungsprogramm für 3rd Party Auditoren. Diese müssen sich dann bis zum 30. Juni 2017 auf die IATF 16949:2016 qualifizieren. Erst dann dürfen die Auditoren die Zertifizierung IATF 16949:2016 (Zertifizierungsaudit) im Auftrag einer Zertifizierungsstelle durchführen.

Ab Oktober 2017 dürfen keine Zertifizierungsaudits nach der ISO/TS 16949:2009 mehr durchgeführt werden. Hoffe, es gibt bis dorthin genug qualifizierte Auditoren – bei einer Durchfallquote von bis zu 40% bei der IATF Prüfung darf man gespannt sein.

Bis zum 14.09.2018 konnten die Unternehmen über ein Transition Audit das Zertifikat IATF 16949 erwerben. Nicht wenige Unternehmen haben die IATF Zertifizierung aufgrund einer mangelhaften und zu späten Vorbereitung ausgesetzt. Das lag zum einen an der Ressourcen Verfügbarkeit, zum anderen am bestehenden Know How um die Forderungen Regelkonform umzusetzen.

Daraus ergeben sich langfristig gesehen Nachteile für die Unternehmen. Wenn Sie kein gütliges Zertifikat IATF 16949 vorweisen können, werden Sie als Zulieferer in die Automobilindustrie gesperrt. Ohne Zertifikat kein Lieferant.

Durch die neuen Vorgaben sind die Kunden, die nach IATF zertifiziert sind, angehalten, nur zertifizierte Lieferanten aufzunehmen. Der Mindeststandard ISO 9001:2015 wird irgendwann nicht mehr ausreichend sein um an lukrative Aufträge der Automobilindustrie heran zukommen.

Zertifizierung IATF 16949​

Die IATF 16949 Zertifizierung ist ist mit erheblichen Aufwand und Kosten verbunden. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen haben damit zu kämpfen die Forderungen einer IATF 16949 Zertifizierung zu stemmen. Externe Beratungsunternehmen hatten in den letzten Monaten viel Arbeit. Durchschnittlich muss man bei einer externen Beratung ca. 35 Manntage bis zur Zertifizierung rechnen.

Die Kosten werden M.M. aber schnell wieder reingeholt durch eine strukturierte und schnelle Abarbeitung der anstehenden Themen. Ferner bekommen gerade die Prozessverantwortlichen sehr viel Input und Lösungsvorschläge aufgezeigt. Das erleichtert die Einführung der IATF immens. Auf der Webseite der IATF finden alle zugelassenen Zertifizierungsgesellschaften in Deutschland.

Übergangsaudit​

Das Übergangsaudit (Transition Audit) kann nur von qualifizierten 3rd Party Auditoren durchgeführt werden. D.h., Auditoren die bereits als IATF 16949:2016 Auditoren durch die IATF qualifiziert worden sind. Die Auditoren müssen gemäß den IATF Regeln die Prüfung bzw. Testfragen aus der IATF-ADP-Datenbank erfolgreich bestehen.

Hierzu müssen neben den Fragen zur IATF 16949 auch die Fragen zu den IATF Regeln bestanden werden. Erfolgreich abgeschlossen haben die Auditoren bei einem Prozentsatz von 80% oder höher. Bei nichtbestandener Prüfung werden die Auditoren gesperrt und müssen nach erfolgreicher Teilnahme von vorgeschriebenen Schulungen den Test erneut wiederholen.

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Zusammenspiel ISO 9001:2015​

Das Zusammenspiel der neuen ISO 9001:2015 und der IATF 16949:2016 ist durch die neue High Level Struktur (HLS) gegeben. Genauso wie das risikobasierte Denken ist der prozessorientierte Ansatz stärker in den Vordergrund gerückt und beeinflusst dazu alle Kapitel der Norm.

Wie in der ISO 9001 bereits definiert, sind in der neuen Spezifikation der IATF die Stakeholder zu berücksichtigen, zu bewerten und zu überwachen. Des Weiteren ist ein Gewährleistungsprozess (Regress) anzuwenden ebenso wie für NTF (No Trouble Found) Befunde. Die Anforderungen der ISO Norm müssen separat erworben werden. Die Spezifikation der IATF 16949:2016 enthält nur die Automotiven Ergänzungen zur ISO 9001.

Aufwand und Kosten​

Die Voraussetzungen für das Übergangsaudit sind aus der Tabelle 5.2 der IATF Regeln zu entnehmen. Das Unternehmen muss im Vorfeld des Übergangsaudit Informationen an die Zert.-Gesellschaft liefern. Wenn das zu auditierende Unternehmen diese Informationen nicht liefert wird der Auditplan für das Übergangsaudit um 0.5 Manntage zusätzlich belastet.

  • Abschnitt 5.2 (Tabelle)
  • Abschnitt 8.1e
  • Abschnitt 5.1.1
  • Abschnitt 8.4
  • Abschnitt 6.8 (Rezertifizierungsaudit)
  • Abschnitt 5.7

Zertifizierungsaudits​

Zertifizierungsaudits bei QM-Systemen lassen sich in drei Interessensparteien aufteilen. Die oberste Ebene bildet die Akkreditierungsstelle, welche die Kompetenzen der Zertifizierungsstellen, beispielsweise TÜV Süd, DQS, LRQA überprüft. Zertifizierungsstellen lassen durch qualifizierte 3rd Party Auditoren das eigentliche Zertifizierungsaudit bei einer Organisation durchführen und stellt nach erfolgreichen Abschluss das Zertifikat, beispielsweise IATF 16949 aus. 

Dieses Zertifikat stellt der Organisation die Normenkonformität gegenüber den Anforderungen der „International Automotive Task Force“ aus und hat eine vertrauensbildende Funktion gegenüber ihren Kunden und interessierten Parteien. Der Verlust eines Zertifikats aufgrund von Umsetzungsdefizite der Normforderungen gegenüber der Zertifizierungsstelle führen dazu, dass Kunden verstärkt auf eigene Audits zurück greifen.

IATF 16949 Voraussetzungen​

Die IATF 16949 Voraussetzungen für eine Zertifizierung nach dem IATF Standard sind im Handbuch Zertifizierungsvorgaben zur IATF 16949, Ausgabe 2016, beschrieben. Weitere Informationen finden Sie auch im IATF Auditor Leitfaden 2017. Grundsätzlich müssen bei einer Erstzertifizierung folgende Dokumente vorliegen:

  • Qualitätsmanagement Handbuch gemäß Abschnitt 7.5.1.1 Dokumentation des Qualitätsmanagementsystems
  • Leistungskennzahlen mit einem Trend aus 12 Monaten
  • Managementbewertung gemäß Abschnitt 9.3
  • Interne Audits (System-, Produkt- und Prozessaudit) gemäß Abschnitt 9.2.2.1 Internes Auditprogramm
  • Liste qualifizierte Auditoren
  • Nachweis, dass alle IATF 16949 und ISO 9001:2015 Forderungen erfüllt sind
  • Liste mit den kundenspezifische Forderungen adressiert an den relevanten Prozess
  • Beim IATF Zertifizierungsaudit dürfen anders als bei der ISO 9001, keine Berater am Audit teilnehmen

Schwierigkeiten Umsetzung​

Die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung liegen bei den internen Ressourcen. Extra neue Mitarbeiter einzustellen oder vorhandene Mitarbeiter im Unternehmen für die Einführung der IATF freizustellen ist nicht immer der beste Weg. Neue Mitarbeiter müssen sich erst im Unternehmen klimatisieren und die Strukturen kennenlernen.

Das  kostet Zeit und nicht immer sind neue Mitarbeiter sofort in die internen Strukturen einzubinden. Und wenn sie dann noch von Besprechung zu Besprechung hetzen und versuchen die Mitarbeiter bei der Einführung der IATF mit ins Boot zunehmen, bleiben viele über kurz oder lang auf der Strecke.

Zusammenfassung​

Die neue technische Spezifikation stellt hohe Anforderungen an die Zertifizierung IATF 16949. Sowohl an Unternehmen wie auch an die Zertifizierungsstelle und deren Auditoren. Die Hürden für die Erlangung eines Zertifikats wurden durch die IATF seit Einführung der ISO/TS 16949:2009 ständig erhöht.

Ob das Ziel einer kontinuierlichen Verbesserung der Qualität für Zukaufteile erreicht wurde, ist schwer zu beantworten. Beispiele wie sich die Zulieferindustrie gegen die teilweise „Harten Entscheidungen“ der OEM’s dagegen wehren gibt es in der Vergangenheit zu genüge. Man darf gespannt sein, wie sich in den nächsten Monaten die Unternehmen und Auditoren auf die neuen Forderungen einstellen können.

Für eine erfolgreiche IATF Zertifizierung ist es wichtig, dass die verantwortlichen Mitarbeiter, die für die Einführung der technischen Spezifikation den Hut aufhaben, mit den Prozessverantwortlichen zusammenarbeiten. Führen sie die neuen Themen häppchenweise ein und nicht zuviel auf einmal. Lassen sie sich von den Prozessverantwortlichen, nach dem Workshop, die Lösungen präsentieren und unterstützen sie diese dabei.

Binden sie einen externen Berater ein der einerseits als Moderator fungiert, andererseits mit Lösungen und Vorlagen die Einführung erleichtert. Überlastete Mitarbeiter sind dann auch nicht mehr für die Einführung zu haben. Ein IATF 16949 Zertifikat ist eine Forderung der sich früher oder später alle Zulieferer der Automobilindustrie stellen müssen.

Bevor sie damit beginnen die IATF einzuführen, sollten sie sich vergewissern, dass die Mindeststandards der ISO 9001 vorhanden sind. Die ISO ist die Basis Norm und sollte auf einem guten Fundament stehen auf der sich darauf aufbauen lässt. Denken sie dabei auch an die Grundsätze des Qualitätsmanagements.

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Stefan Stroessenreuther

Consulting Qualitätsmanagement ISO 9001 | IATF 16949 Personenzertifizierter IATF 16949 und VDA 6.3 Auditor | Dozent IMB IntegrationsModell Bayreuth

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