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Geltungsbereich des QM System – Anwendungsbereich

Geltungsbereich QMS

Geltungsbereich des QM Systems

Einordnung und Bedeutung des Geltungsbereichs

Der Geltungsbereich ist einer der zentralen Bausteine eines Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001. Er legt fest, für welche Produkte, Dienstleistungen, Standorte und Tätigkeiten das QM System gilt. Gleichzeitig gibt es weitere Bereiche wie den Geltungsbereich der Norm, den Zertifizierungsumfang und den Auditumfang, die eng mit dem Geltungsbereich des QM Systems verknüpft sind.

Die Organisation sollte den Unterschied zwischen diesen Bereichen kennen und verstehen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Eine unsaubere Definition kann zu Missverständnissen bei Kunden, Zertifizierern und Auditoren führen. Im Rahmen des QM Systems muss die Organisation zudem die Nichtanwendbarkeit von Anforderungen sorgfältig prüfen und begründen.

  • Klarheit über Begriffe schaffen Geltungsbereich der ISO 9001, Geltungsbereich des QM Systems, Zertifizierungsumfang und Auditumfang sind verwandt, aber nicht identisch.
  • Verantwortung der Organisation Die Organisation legt ihren QM Geltungsbereich fest und muss sicherstellen, dass er vollständig, korrekt und nicht irreführend beschrieben ist.
  • Auswirkungen auf Audits und Zertifizierung Der definierte Geltungsbereich beeinflusst Zertifikat, Auditplan und die Bewertung des Systems durch interne und externe Auditoren.

Unterschied zwischen Normgeltung, QM Geltungsbereich, Zertifizierungsumfang und Auditumfang

Die ISO 9001 beschreibt im Abschnitt 1 ihren eigenen Geltungsbereich. Dieser legt fest, welchen Gegenstand die Norm hat, wofür sie verwendet werden kann und welche beabsichtigten Ergebnisse ein QM System nach dieser Norm liefern soll.

Der Geltungsbereich des QM Systems nach Abschnitt 4.3 beschreibt, welche Produkte und Dienstleistungen durch das QM System abgedeckt sind. Davon abgeleitet werden der Zertifizierungsumfang und der Umfang von Audits.

  • Geltungsbereich der ISO 9001 Abschnitt 1 der Norm beschreibt den generellen Anwendungsbereich der ISO 9001 und die beabsichtigten Ergebnisse eines Qualitätsmanagementsystems.
  • Geltungsbereich des QM Systems In Abschnitt 4.3 wird gefordert, dass die Organisation die Grenzen und die Anwendbarkeit des QM Systems festlegt und die abgedeckten Produkte und Dienstleistungen benennt.
  • Zertifizierungsumfang Der Zertifizierungsumfang wird aus dem QM Geltungsbereich abgeleitet und im Zertifikat beschrieben. Er informiert interessierte Parteien über den Umfang des zertifizierten Systems.
  • Auditumfang Der Auditumfang beschreibt laut ISO 19011 die physischen und virtuellen Standorte, Funktionen, Organisationseinheiten, Aktivitäten, Prozesse sowie den abgedeckten Zeitraum eines Audits.
  • Integrierte Managementsysteme Bei integrierten Audits ist sicherzustellen, dass Auditziele, Umfang und Kriterien zu jeder Norm und zu ihren jeweiligen Bereichen passen.

Anwendungsbereich und Scope des QM Systems festlegen

Der Anwendungsbereich, also der Scope, beschreibt die Grenzen des Qualitätsmanagementsystems. Er hilft zu klären, wo das System gilt und welche Bereiche, Produkte oder Dienstleistungen eingeschlossen sind. Die Anwendbarkeit der Normanforderungen ist dabei besonders wichtig, um den Umfang eines Zertifikats zu bestimmen.

Bestimmte Situationen können die Festlegung des Scopes erschweren, etwa bei vielfältigen Produkten, mehreren Standorten, Outsourcing oder zeitlich begrenzten Projekten. Diese Faktoren müssen sorgfältig geprüft werden.

  • Relevante Faktoren für den Scope Anzahl und Art der Produkte und Dienstleistungen, externe Prozesse und Dienstleistungen, Logistik, mehrere Standorte, Service Center oder Kundenservice beim Kunden vor Ort.
  • Umgang mit ausgelagerten Prozessen Auch ausgelagerte Prozesse können den Geltungsbereich beeinflussen, wenn sie wesentliche Anteile an der Wertschöpfung und Qualität haben.
  • Matrix Zertifizierungen und Projekte Komplexe Strukturen wie Matrix Zertifizierungen oder projektbasierte Organisationen erfordern besondere Sorgfalt bei der Festlegung des Scopes.
  • Prüfung durch Auditoren Auditoren sollten prüfen, ob der Scope korrekt, klar und nicht irreführend definiert wurde und ob die genannten Faktoren angemessen berücksichtigt wurden.

Organisatorische Grenzen und Kontext der Organisation

ISO 9000 definiert eine Organisation als Person oder Gruppe von Personen mit eigenen Funktionen, Verantwortlichkeiten, Befugnissen und Beziehungen, um Ziele zu erreichen. Dies umfasst unterschiedlichste Rechtsformen und Konstellationen sowie Teile von Unternehmen.

Wenn die Organisation Teil einer größeren Einheit ist, muss im internen Audit geprüft werden, ob die organisatorischen Grenzen im QM System sauber festgelegt sind und welche Prozesse außerhalb des QM Geltungsbereichs trotzdem Einfluss auf das System haben.

  • Organisationsgrenzen definieren Klar beschreiben, welche Einheiten, Standorte und Funktionen Teil des QM Systems sind und welche nicht.
  • Einfluss externer Prozesse bewerten Prozesse, die außerhalb des Geltungsbereichs des QM Systems liegen, aber innerhalb der größeren Unternehmensstruktur angesiedelt sind, können die Qualität beeinflussen und sollten im Audit berücksichtigt werden.
  • Kontext der Organisation berücksichtigen Externe und interne Themen aus Abschnitt 4.1 sowie relevante interessierte Parteien aus Abschnitt 4.2 sind bei der Festlegung von Grenzen und Anwendbarkeit des QM Systems zu berücksichtigen.
  • Erwartung an klare Grenzen Es wird erwartet, dass die Organisation ihre Grenzen als relevantes Thema erkennt und in ihrem System entsprechend dokumentiert.

Zertifizierungsumfang und Darstellung im Zertifikat

Der Zertifizierungsumfang ist der Bereich, der im Zertifikat beschrieben wird. Er basiert auf dem Geltungsbereich des QM Systems, kann aber in bestimmten Fällen kleiner sein, wenn die Organisation nur einen Teil ihres Systems zertifizieren lässt.

Da Zertifikate in vertraglichen und behördlichen Kontexten eine wichtige Rolle spielen, ist es entscheidend, dass der Umfang eindeutig, korrekt und nicht irreführend beschrieben wird.

  • Zertifizierungsdokument Das Zertifikat beschreibt Art der Aktivitäten, Produkte und Dienstleistungen an den zertifizierten Standorten und nennt den rechtlich korrekten Namen der Organisation.
  • Abweichung vom QM Geltungsbereich Wenn der Zertifizierungsumfang bewusst kleiner als der QM Geltungsbereich ist, muss dies klar erkennbar sein, damit Kunden und andere Interessierte nicht in die Irre geführt werden.
  • Transparenz für Kunden Kunden und Endverbraucher müssen erkennen können, für welche Teile der Organisation und welche Leistungen die ISO 9001 Zertifizierung gilt.

Anwendungsbereich des Qualitätsmanagementsystems nach Abschnitt 4.3 bestimmen

Abschnitt 4.3 der ISO 9001 fordert, dass die Organisation den Anwendungsbereich ihres Qualitätsmanagementsystems bestimmt. Dieser beschreibt die Grenzen des Systems und unterstützt die Organisation dabei, die Anforderungen der Norm zu erfüllen und die gewünschten Ergebnisse zu erreichen.

  • Faktoren für die Festlegung des Scopes Interne und externe Themen nach Abschnitt 4.1, relevante interessierte Parteien nach Abschnitt 4.2 sowie die Produkte und Dienstleistungen der Organisation sind zu berücksichtigen.
  • Anwendbarkeit von Anforderungen prüfen Grundsätzlich gelten alle Anforderungen der ISO 9001 als anwendbar, es sei denn, sie betreffen Tätigkeiten, die die Fähigkeit der Organisation zur Erfüllung von Kundenanforderungen nicht beeinflussen.
  • Bewusster Umgang mit Nichtanwendbarkeit Organisationen dürfen nicht einfach ganze Kapitel als nicht anwendbar erklären, ohne zu prüfen, welche Anforderungen tatsächlich relevant sind. Jede nicht anwendbare Anforderung muss begründet werden.
  • Dokumentierte Information Der Anwendungsbereich muss als dokumentierte Information vorliegen, zum Beispiel im QM Handbuch oder in einer Verfahrensanweisung. Er sollte alle Produkte und Dienstleistungen abdecken und Begründungen für nicht anwendbare Anforderungen enthalten.
Geltungsbereich QMS
Geltungsbereich QMS

How To den Anwendungsbereich nach ISO 9001 festlegen

Der Anwendungsbereich (Scope) des Qualitätsmanagementsystems ist einer der wichtigsten Bestandteile der ISO 9001. Er beschreibt, für welche Produkte, Dienstleistungen, Standorte und Prozesse das QM System gilt. Ein korrekt definierter Scope sorgt für Transparenz, vermeidet Missverständnisse und bildet die Grundlage für Audits und Zertifizierung. Dieses How To zeigt die systematischen Schritte zur Festlegung des Anwendungsbereichs.

  • Schritt 1 Kontext der Organisation klären Analysieren Sie interne und externe Themen nach ISO 9001 Abschnitt 4.1. Dazu gehören Marktanforderungen, gesetzliche Rahmenbedingungen, Technologien, Wettbewerbsdruck, interne Strukturen und Ressourcen.
  • Schritt 2 relevante interessierte Parteien bestimmen Identifizieren Sie die Parteien aus Abschnitt 4.2, die Einfluss auf das QM System haben oder von dessen Ergebnissen betroffen sind. Beispiele sind Kunden, Behörden, Lieferanten, Eigentümer oder Mitarbeitende.
  • Schritt 3 Produkte und Dienstleistungen festlegen Beschreiben Sie klar, welche Produkte und Dienstleistungen das Unternehmen anbietet. Diese bilden das Fundament für den späteren Anwendungsbereich.
  • Schritt 4 Grenzen der Organisation bestimmen Definieren Sie Standorte, organisatorische Einheiten, Geschäftsbereiche und Tätigkeiten, die Teil des QM Systems sind. Auch ausgelagerte Prozesse müssen berücksichtigt werden.
  • Schritt 5 Anwendbarkeit der Normanforderungen prüfen Jede Anforderung der ISO 9001 prüfen: Ist sie relevant oder wirkt sie sich auf die Fähigkeit aus, konforme Produkte und Dienstleistungen bereitzustellen? Nur wenn eine Anforderung nachvollziehbar ohne Auswirkungen ist, kann sie als nicht anwendbar begründet werden.
  • Schritt 6 Begründungen für Nichtanwendbarkeit formulieren Für alle Anforderungen, die nicht anwendbar sind, eine klare, logische und auditfeste Begründung formulieren. Diese wird im QMS dokumentiert.
  • Schritt 7 Scope formulieren Den Anwendungsbereich präzise als Text formulieren. Der Scope muss Produkte, Dienstleistungen, Tätigkeiten und Standorte enthalten und eindeutig sein. Keine Marketingformulierungen, sondern klare Inhalte.
  • Schritt 8 Dokumentierte Information erstellen Der Anwendungsbereich muss dokumentiert werden, zum Beispiel im QM Handbuch, in einem Leitfaden oder einer Verfahrensanweisung. Er sollte für Auditoren klar auffindbar und nachvollziehbar sein.
  • Schritt 9 Übereinstimmung mit Zertifizierungsumfang prüfen Scope des QMS und Scope des Zertifikats müssen übereinstimmen. Wenn die Organisation den Zertifizierungsumfang einschränkt, muss dies klar erkennbar und nicht irreführend beschrieben sein.
  • Schritt 10 Auswirkungen auf Audit und Auditplanung berücksichtigen Der Scope beeinflusst Auditdauer, Auditumfang und Auditkriterien. Daher muss er vor jedem Audit geprüft und bei Änderungen aktualisiert werden.

Beispiele für einen Anwendungsbereich nach ISO 9001

Der Anwendungsbereich sollte klar, verständlich und nicht irreführend formuliert werden. Er beschreibt, für welche Produkte, Dienstleistungen, Standorte und Tätigkeiten das Qualitätsmanagementsystem gilt. Die folgenden Beispiele zeigen typische Formulierungen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen.

  • Beispiel 1 Produktion Herstellung und Vertrieb von Kunststoffspritzgussteilen für die Automobilindustrie an den Standorten A und B einschließlich Werkzeugwartung und Kundenservice.
  • Beispiel 2 Dienstleistung Erbringung von Beratungsdienstleistungen im Bereich Projektmanagement, Prozessoptimierung und Training für gewerbliche Kunden am Standort Z.
  • Beispiel 3 Maschinenbau Konstruktion, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme kundenspezifischer Maschinen und Anlagen einschließlich After Sales Service und Ersatzteilversorgung.
  • Beispiel 4 Logistik Logistische Dienstleistungen wie Lagerung, Kommissionierung, Verpackung und Transport für Industriekunden einschließlich Zollabwicklung.
  • Beispiel 5 IT Dienstleister Entwicklung, Implementierung und Support von Softwarelösungen einschließlich Hosting, Helpdesk und Anwenderschulungen für nationale und internationale Kunden.
  • Beispiel 6 Bauunternehmen Planung, Umsetzung und Überwachung von Bauprojekten im Hoch und Tiefbau einschließlich Bauleitung und baubegleitender Qualitätskontrollen.
  • Beispiel 7 Metallverarbeitung Herstellung von lasergeschnittenen und gebogenen Metallteilen einschließlich Schweißbaugruppen, Oberflächenbehandlung und Verpackung.
  • Beispiel 8 Lebensmittelproduktion Produktion und Abfüllung von Getränken sowie Verpackung, Qualitätskontrolle, Lagerung und Logistik am Standort X.
  • Beispiel 9 Handel Einkauf, Lagerhaltung und Vertrieb von technischen Produkten für Industrie, Handwerk und Gewerbe einschließlich Kundenberatung.
  • Beispiel 10 Medizintechnik Entwicklung, Sterilisation, Produktion und Vertrieb von medizinischen Einmalinstrumenten und Verbrauchsmaterialien einschließlich Serviceleistungen.
  • Beispiel 11 Energieversorger Betrieb und Wartung von Strom und Gasnetzen sowie Erbringung von Dienstleistungen zur Energieverteilung und Kundenabrechnung.
  • Beispiel 12 Call Center Erbringung von Telefon und Online Kundenservice Dienstleistungen einschließlich Reklamationsbearbeitung und technischer Support.
  • Beispiel 13 Forschung und Entwicklung Entwicklung, Verifizierung und Validierung neuer Produkte und Technologien einschließlich Laborbetrieb und Versuchsdurchführung.
Kontext Organisation Swot Analyse | SMCT-MANAGEMENT
Kontext Organisation Swot Analyse | SMCT-MANAGEMENT
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Stefan Stroessenreuther

Stefan Stroessenreuther

Consulting Qualitätsmanagement ISO 9001 | Personenzertifizierter IATF 16949 und VDA 6.3 Auditor | Information Security Officer ISO/IEC 27001 | Dozent IMB Integrations Modell Bayreuth | Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität | Lead Auditor ISO 14001 | Lead Auditor ISO 45001 | Lead Auditor ISO 9001

Berechnung der durchschnittlichen Zertifizierungskosten ISO 9001

Qualitätsmanagement Beratung ISO 9001 - kompetent und flexibel