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Angemessenheit von Ressourcen – Verfügbarkeit

Angemessenheit von Ressourcen – Verfügbarkeit nach ISO 9001

Angemessenheit von Ressourcen – Verfügbarkeit im Sinne der ISO 9001

Die ISO 9001 fordert in Kapitel 7, dass eine Organisation angemessene Ressourcen bereitstellt, um geplante Ergebnisse zu erreichen. Gemeint sind nicht nur Maschinen und Gebäude, sondern auch Personal, Wissen, IT Systeme und finanzielle Mittel. Die zentrale Frage lautet:

„Reichen unsere Ressourcen aus, um Produkte und Dienstleistungen zuverlässig in der vereinbarten Qualität zu liefern und das Qualitätsmanagementsystem wirksam zu betreiben?“

Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte zur Angemessenheit, zur Auditbewertung und zu typischen Nachweisen erläutert mit Blick auf die betriebliche Praxis und interne wie externe Audits.

Was bedeutet Angemessenheit von Ressourcen?

Ressourcentypen im Qualitätsmanagement

Unter Ressourcen versteht die Norm alle Mittel, die für die Umsetzung von Prozessen und das Erreichen der Qualitätsziele benötigt werden. Dazu gehören materielle und immaterielle Faktoren, die sich direkt auf die Prozessleistung und Kundenzufriedenheit auswirken.

  • Personal: Anzahl der Mitarbeitenden, ihre Qualifikation, Erfahrung und Verfügbarkeit über alle Schichten.
  • Infrastruktur: Gebäude, Maschinen, Prüfmittel, IT Systeme und Hilfsmittel, die für Produktion und Dienstleistungserbringung notwendig sind.
  • Prozessumgebung: Arbeitsbedingungen wie Sauberkeit, Klima, Ergonomie und Arbeitssicherheit, die die Prozessfähigkeit beeinflussen.
  • Wissen: Know how zu Produkten, Prozessen, Normen und Kundenvorgaben, das für Entscheidungen und fehlerfreie Arbeit erforderlich ist.
  • Finanzen und Zeit: Budgets für Instandhaltung, Investitionen, Schulungen sowie verfügbare Zeitfenster für Verbesserungsmaßnahmen.

Angemessen sind Ressourcen dann, wenn sie in Art, Umfang und Verfügbarkeit ausreichen, um Konformität und Wirksamkeit dauerhaft sicherzustellen ohne auf der anderen Seite unnötige Überkapazitäten zu erzeugen.

Ressourcenplanung im Kontext der ISO 9001

Die Norm schreibt nicht vor, wie hoch der Personalbestand oder welche Maschinenanzahl erforderlich ist. Sie verlangt jedoch, dass die Organisation auf nachvollziehbare Weise begründet, dass ihre Ressourcenausstattung geeignet ist. Das geschieht typischerweise durch strukturierte Prozesse der Planung und Bewertung.

  • Einsatz von Forecasts, Auftragsvolumen und Kapazitätsplänen zur Ableitung des Personal und Maschinenbedarfs.
  • Regelmäßige Überprüfung der Auslastung, zum Beispiel durch Kennzahlen zu OEE, Termintreue oder Überstunden.
  • Einbindung der Ressourcenthemen in Managementbewertung, Budget und Investitionsplanung.

Die Angemessenheit ergibt sich also aus der Kohärenz zwischen Bedarf, Planung und tatsächlicher Performance.

Wie wird die Angemessenheit im Audit bewertet?

Auditperspektive: Prozessleistung statt Bauchgefühl

Auditoren sollen nicht darüber urteilen, ob „zu wenig Mitarbeitende“ vorhanden sind, sondern ob der Prozess zur Bereitstellung von Ressourcen wirksam ist. Zentral sind dabei messbare Ergebnisse und objektive Nachweise.

  • Werden Qualitätsziele, Liefertermine und Produktanforderungen stabil erreicht oder treten systematisch Abweichungen auf?
  • Existieren wiederkehrende Engpässe, beispielsweise überdurchschnittliche Überstunden, lange Durchlaufzeiten oder Kapazitätsengpässe an bestimmten Maschinen?
  • Leitet die Organisation aus Problemen Korrektur und Verbesserungsmaßnahmen ab und werden diese nachverfolgt?

Je stärker die Ressourcenprobleme die Prozessleistung beeinträchtigen, desto eher wird daraus eine Nichtkonformität im Audit.

Typische Auditnachweise zur Ressourcenausstattung

In allen Auditphasen werden Nachweise gesammelt, die Aufschluss über die Angemessenheit der Ressourcen geben. Sie stützen Aussagen aus Interviews und Beobachtungen und machen Bewertungen nachvollziehbar.

  • Prozesskennzahlen, zum Beispiel Ausschussquote, PPM, Termintreue, OEE, Reklamationsstatistik.
  • Protokolle aus Managementbewertungen, Risikobewertungen und Kapazitätsanalysen.
  • Wartungs und Instandhaltungspläne, Störungsstatistiken, Investitionspläne.
  • Schulungspläne, Qualifikationsmatrizen und Nachweise durchgeführter Trainings.

Diese Informationen helfen, den Zusammenhang zwischen Ressourcenausstattung und Ergebnisqualität transparent zu machen.

Angemessenheit ohne subjektive Bewertung beurteilen

Rolle des Auditors klar abgrenzen

Die ISO 9001 gibt dem Auditor nicht die Aufgabe, Detailentscheidungen des Managements zu ersetzen. Ziel ist eine Bewertung des Managementprozesses, nicht des Organigramms. Subjektive Aussagen wie „hier arbeiten zu wenig Leute“ sollten vermieden werden.

  • Im Audit wird geprüft, ob die Organisation eine systematische Methode zur Ressourcenplanung besitzt.
  • Es wird bewertet, ob Leistungsabweichungen analysiert und im Zusammenhang mit Ressourcen betrachtet werden.
  • Der Fokus liegt auf der Wirksamkeit von Maßnahmen, nicht auf der Frage, ob ein bestimmter Arbeitsplatz unbedingt eine weitere Person benötigt.

Damit bleibt das Ergebnis nachvollziehbar und im Rahmen der Normanforderungen. Entscheidungen über konkrete Ressourcenerhöhungen bleiben beim Management.

Praxisbeispiele für Ressourcengaps und Verbesserungen

Beispiel 1 – Engpässe in der Prüfmittelkapazität

In der Endprüfung stauen sich Aufträge, Liefertermine geraten unter Druck. Analyse ergibt: Nur ein Teil der Prüfmittel ist betriebsbereit, Wartung und Kalibrierung werden ad hoc organisiert.

  • Einführung eines Wartungs und Kalibrierplans mit Verantwortlichkeiten und Eskalation.
  • Kapazitätsrechnung für Spitzenzeiten und gegebenenfalls Anschaffung eines zusätzlichen Prüfplatzes.
  • Erfassung der Prüfdurchlaufzeiten als Kennzahl und Monitoring im Shopfloor Meeting.

Beispiel 2 – Mangel an qualifizierten Stellvertretungen

In kritischen Prozessen hängen Freigaben und Entscheidungen häufig an einzelnen Schlüsselpersonen. Bei Krankheit oder Urlaub verzögern sich Projekte.

  • Aufbau einer Qualifikationsmatrix und Definition von Stellvertretungsregelungen.
  • Geplante Wissenstransfers, etwa durch Tandem Modelle, Job Rotation oder dokumentierte Arbeitsanweisungen.
  • Aufnahme des Risikos „Single Point of Knowledge“ in die Managementbewertung und Fortschrittsmonitoring der Maßnahmen.

Beispiel 3 – Infrastruktur und Prozessumgebung

Häufige Maschinenausfälle und schlechte Ergonomie in bestimmten Bereichen führen zu Stillständen und erhöhten Fehlerquoten.

  • Systematisierung der Instandhaltung mit Zustandsüberwachung und präventiven Maßnahmen.
  • Bewertung der Ergonomie und Umsetzung kleiner baulicher Verbesserungen, zum Beispiel Beleuchtung, Greifwege, Lärmschutz.
  • Verknüpfung der Ergebnisse mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, um Synergien zu nutzen.

Fazit: Die Angemessenheit von Ressourcen ist kein Bauchgefühl, sondern das Ergebnis eines nachvollziehbaren Managementprozesses. Wer Bedarfe systematisch ermittelt, Kennzahlen zur Leistung nutzt und aus Abweichungen konsequent lernt, erfüllt die Anforderungen der ISO 9001 und verbessert gleichzeitig Qualität, Termintreue und Wirtschaftlichkeit.

Angemessenheit von Ressourcen | SMCT-MANAGEMENT
Angemessenheit von Ressourcen | SMCT-MANAGEMENT

FAQ – Angemessenheit von Ressourcen nach ISO 9001

Häufige Fragen zur Planung, Bereitstellung und Bewertung von Ressourcen im Sinne der ISO 9001:2015.

Was bedeutet „angemessene Ressourcen“ in der ISO 9001?

Die Norm verlangt, dass eine Organisation alle Ressourcen bereitstellt, die benötigt werden, um Produkte und Dienstleistungen in der vereinbarten Qualität zu liefern und das Qualitätsmanagementsystem wirksam zu betreiben. Dazu gehören Personal, Infrastruktur, Prozessumgebung, Überwachungs- und Messmittel, organisatorisches Wissen sowie finanzielle Mittel. Angemessen heißt, dass diese Ressourcen in Umfang und Qualität ausreichen, damit Prozesse stabil laufen und die Qualitätsziele erreicht werden können.

Wie prüfen Auditoren die Angemessenheit der Ressourcen?

Auditoren bewerten nicht einfach die Anzahl der Mitarbeitenden oder die Größe einer Abteilung. Sie schauen darauf, ob die Organisation einen strukturierten Prozess zur Ressourcenplanung besitzt und ob die Ergebnisse der Prozesse zeigen, dass diese Planung funktioniert. Grundlage sind objektive Nachweise wie Kennzahlen, Auslastungsanalysen, Wartungsprotokolle, Managementbewertungen oder Risiko- und Kostenbetrachtungen. Werden trotz erkennbarer Risiken keine Maßnahmen ergriffen, kann dies zu einer Abweichung führen.

Welche Nachweise erwarten externe Auditoren typischerweise?

Typische Nachweise zur Bewertung der Ressourcenausstattung sind:

  • Prozesskennzahlen wie Termintreue, Fehlerquoten oder OEE Werte
  • Qualifikationsmatrizen, Schulungspläne und Wirksamkeitsbewertungen von Schulungen
  • Wartungs- und Instandhaltungspläne sowie Störungsberichte
  • Ergebnisse von Managementbewertungen inklusive Entscheidungen zu Ressourcen
  • Kapazitäts- und Auslastungsanalysen sowie Investitionsplanungen

Diese Nachweise belegen, dass das Unternehmen seine Ressourcen bewusst plant, überwacht und bei Bedarf nachsteuert.

Woran erkennt man, dass Ressourcen tatsächlich fehlen?

Ein reines Gefühl von Überlastung reicht als Nachweis nicht aus. Deutliche Hinweise auf Ressourcenmangel sind zum Beispiel:

  • wiederkehrende Terminverzüge bei Aufträgen oder Projekten
  • auffällig hohe Fehler- oder Reklamationsquoten
  • häufige und ungeplante Überstunden oder Schichteinsätze
  • lange Stillstände von Anlagen wegen fehlender Wartung oder Ersatzteile
  • nicht erfüllte Qualitäts- oder Lieferziele trotz nachvollziehbarer Bemühungen

In solchen Fällen prüft der Auditor, ob das Unternehmen diese Signale analysiert und daraus konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Ressourcensituation ableitet.

Dürfen Auditoren fordern, dass mehr Personal eingestellt wird?

Nein. Die Entscheidung über Kopfzahlen und Budgets liegt ausschließlich beim Unternehmen. Auditoren dürfen keine konkreten Vorgaben zur Höhe der Ressourcen machen. Ihre Aufgabe ist, aufzuzeigen, welche Risiken und Qualitätsprobleme aus unzureichenden Ressourcen entstehen und ob der Prozess zur Ressourcenplanung wirksam ist. Die Maßnahmen legt die Organisation selbst fest, zum Beispiel Umorganisation, Automatisierung oder zusätzlicher Personaleinsatz.

Welche Rolle spielt Wissen als Ressource in der ISO 9001?

Wissen wird in der ISO 9001 ausdrücklich als Ressource betrachtet. Die Organisation soll bestimmen, welches Wissen für die Konformität von Produkten und Dienstleistungen nötig ist, wie dieses Wissen verfügbar gehalten wird und wie es bei Änderungen ergänzt wird.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Dokumentierte Arbeitsanweisungen und Spezifikationen
  • gepflegte Projekt- und Erfahrungsarchive
  • Regelungen zur Nachfolgeplanung bei Schlüsselpositionen
  • strukturierte Einarbeitung neuer Mitarbeitender

Wann führt fehlendes Ressourcenmanagement zu einer Nichtkonformität?

Eine Abweichung ist gerechtfertigt, wenn zum Beispiel:

  • bekannte Engpässe dauerhaft zu Qualitäts- oder Lieferproblemen führen
  • Wartung und Instandhaltung vernachlässigt werden und dadurch Ausfälle entstehen
  • Messmittel nicht verfügbar, nicht geeignet oder nicht kalibriert sind
  • Schulungsbedarf offensichtlich ist, aber keine Maßnahmen eingeleitet werden
  • Kunden- oder Gesetzesanforderungen wegen Ressourcenmangel nicht erfüllt werden

In solchen Fällen ist nicht der Mangel an sich ausschlaggebend, sondern die fehlende Reaktion der Organisation auf erkennbare Risiken.

Welche Vorteile hat ein starkes Ressourcenmanagement für das Unternehmen?

Ein wirksames Ressourcenmanagement führt zu stabilen Prozessen, weniger Fehlern und höherer Termintreue. Es erleichtert die Planung, reduziert Feuerwehraktionen im Alltag und unterstützt eine realistische Zielsetzung im Management. Gleichzeitig erhöht es die Motivation der Mitarbeitenden, weil Verantwortlichkeiten klar sind und Engpässe adressiert werden.

Für Audits nach ISO 9001 ist ein gut dokumentierter und gelebter Ressourcenprozess oft der entscheidende Unterschied zwischen „gerade ausreichend“ und einem wirklich reifen Qualitätsmanagementsystem.

Schlagwörter:
Stefan Stroessenreuther

Stefan Stroessenreuther

Consulting Qualitätsmanagement ISO 9001 | Personenzertifizierter IATF 16949 und VDA 6.3 Auditor | Information Security Officer ISO/IEC 27001 | Dozent IMB Integrations Modell Bayreuth | Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität | Lead Auditor ISO 14001 | Lead Auditor ISO 45001 | Lead Auditor ISO 9001

Berechnung der durchschnittlichen Zertifizierungskosten ISO 9001

Qualitätsmanagement Beratung ISO 9001 - kompetent und flexibel